Mittwoch, 27. August 2014

Die Aliden

Als "Aliden" werden in der orientalistischen Literatur die Nachkommen väterlicherseits von Imam Ali (a.) bezeichnet.

Im engeren Sinne werden sogar nur die Nachkommen Imam Ali (a.) mit  Fatima (a.) genannt.  Im weiteren Sinne werden auch Nachkommen Imam Alis (a.)mitgewertet, die er nach Fatimas (a.) Ableben mit weiteren Frauen bekommen hat. Manchmal werden auch die Nachkommen von Imam Alis (a.) Brüdern dazu gezählt.

Zu den alidischen Dynastien in der islamischen Geschichte zählen sich u.a. die Idrisiden in Marokko, die Fatimiden, verschiedene Linien der Zaiditen im Norden des Jemen, die Safawiden im Iran, die Alawiden in Marokko und die Haschimiten in Mekka und in Jordanien.

Allerdings ist die wahre Herkunft nicht immer zweifelsfrei bestimmbar, so dass sie in manchen Fällen für machtpolitische Zwecke konstruiert worden sein kann. Denn die Besonderheit an dieser Abstammung besteht darin dass es die einzige mögliche Abstammung vom Propheten Muhammad (s.) ist, mit der die eigene Herrschaft legitimiert werden soll. Das ist insbesondere deshalb so auffällig, da viele derjenigen, die ihre Herrschaft heute damit zu schmücken suchen, gleichzeitig die Rechtmäßigkeit der Herrschaft der damaligen Nachkommen des Propheten Muhammad (s.) ablehnen.



Eine der wichtigsten arabischen Quellen zu den alidischen Aufständen der Umayyaden- und Abbasidenzeit ist das Buch Maqātil aṭ-Ṭālibiyyīn von Abu l-Faradsch al-Isfahani, das eigentlich von allen Talibiden handelt, sich aber besonders intensiv mit den Aliden beschäftigt.







Dienstag, 26. August 2014

Max von Oppenheim und seine Entdeckung des Tell Halaf






Abenteuer Orient:
Max von Oppenheim und seine Entdeckung des Tell Halaf
 Gebundene Ausgabe 
von Bonn Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland (Herausgeber), 


Das Katalogbuch zur gleichnamigen Ausstellung in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn, vom 30. April bis 10. August 2014. 

1899 entdeckte der Kölner Bankierssohn, Diplomat und Forschungsreisende Max Freiherr von Oppenheim (1860–1946) auf dem Tell Halaf einen aramäischen Fürstensitz aus dem frühen 1. Jahrtausend v. Chr. 
Damit rückte er zum ersten Mal das Habur-Gebiet (Habur, der längste Nebenfluss des Euphrat in Syrien ) an der heutigen syrisch-türkischen Grenze in den Blickpunkt der archäologischen Forschung. 



Ausstellung wie Katalog lassen die lang vergangene Welt der Aramäer (eine Völkergruppe in Syrien und Mesopotamien, die seit der Bronzezeit nachgewiesen ist) wiederauferstehen und präsentieren herausragende archäologische Funde, die bereits 2011 in Berlin Furore gemacht haben. Monumentale steinerne Bildwerke, fantastische Reliefs und kostbare Grabbeigaben belegen den Reichtum des Palastes vom Tell Halaf (ein Siedlungshügel im Nord-osten Syriens) und anderer aramäischer Fürstensitze. 



Eine Nachbildung von Oppenheims ikonischer Fassadenrekonstruktion des West-Palastes aus den 1930er-Jahren ziert heute den Eingang des Nationalmuseums im syrischen Aleppo. Leitfaden der Publikation ist Max von Oppenheims (deutscher DiplomatOrientalist und Archäologe) Biografie und seine lebenslange Liebe zum Orient. 


Sie spricht auch aus jedem einzelnen der luxuriösen orientalischen Gewänder und Accessoires, die Oppenheim privat gesammelt hat. Eine prachtvolle Auswahl dieser Sammlungsstücke wird hiermit zum ersten Mal gemeinsam mit Oppenheims archäologischer Entdeckung präsentiert. 

Die Funde vom Tell Halaf, die in einer Berliner Bombennacht des Jahres 1943 zerstört und rund 60 Jahre später auf spektakuläre Weise restauriert werden konnten, erzählen nicht nur von einer 3000 Jahre alten Kultur, sondern sind auch zu einem bewegenden Zeugnis deutscher Zeitgeschichte geworden.

Montag, 25. August 2014

Mahmud Abdulbaki, ein türkischer Hofdichter




Mahmud Abdulbaki, 1526 - 7.4.1600 n.Chr.
bekannt als Baki, war ein türkischer Hofdichter im 16 Jh. n.Chr.

Er ist 1526 in Istanbul geboren und am 7.4.1600 in der Stadt gestorben. Er war der Sohn eines Gebetsaufrufers. Nach einer Ausbildung als Sattlerlehrling vertiefte er seine religiöse Studien.
In 1555 n.Chr widmete er Sultan  Süleyman I. eine Kasside (eine aus vorislamischer Zeit (Dschahiliya) stammende Gedichtform), was dazu führte, dass er schon bald danach von diesem als Autorität in literarischen Fragen anerkannt wurde.
 
Die Elegie auf den Tod Süleymans I. ( gest. 7. September 1566 ) gilt als sein Meisterwerk. Auch unter Selim II. und Murat III. wurde er am Hof geschätzt. Er hatte an verschiedenen Orten Anatoliens und Arabiens Ämter als Richter [qadhi] inne. Als oberster Poet [sultan al-schu'ara] seiner Zeit erhielt er auf Befehl des Sultans Mehmed III. ein Staatsbegräbnis.
Er brachte die türkischsprachige Dichtung von Ghaselen (eine lyrische Gedichtform, die bereits in vorislamischer Zeit auf der Arabischen Halbinsel entstanden ist) durch sorgfältige Wortwahl und Wortspiele zu höchster Vollendung. Neben dem Divan (Gedichtsammlung), seinem Hauptwerk, verfasste er auch einige Traktate zu religiösen und historischen Fragen.

Sowohl Prof. Annemarie Schimmel als auch Joseph von Joseph von Hammer-Purgstall haben sehr viele Werke von ihm übertragen, darunter den gesamten Divan.





Unglück ist es, solche Schönheit zu umfangen,
Unglück, nach so süßen Lippen zu verlangen;

Mit den Locken deckt das Maal der Schelmische,
Nur der Ost allein kam diesen Weg gegangen;

Gluth des Weines brennt auf Seinen Wangen,
Ist der Finger Roth in Flammen aufgegangen?

Freundeslippen geh'n beym Fest im Kreis;
Soll das Glas denn nicht zu mir gelangen?

Aus dem Herzquell hat mit Seiner Feder Rohr,
Baki reines Lebenswasser aufgefangen.




Locken, die fallen verschleyernd auf Wangen,
Sind Hyacinthen, vom Wasser umfangen;

Brodem der Seufzer gestaltet zu Wolken,
Lös't sich in Wasser der Ros' aus Verlangen;

Sonne, die leuchtende, ist nur Juwele,
Welche im Schachte der Liebe ward empfangen.

In dem Vergleich mit dem Meere der Thränen,
Ist als ein Bläschen die Nilfluth vergangen;

Kümmere, Baki, dich nicht um hienieden,
Leb' im beständigen Rausche befangen.



siehe auch:
http://www.deutsche-liebeslyrik.de/baki/baki.htm


Imru al Kais: Der Dichter und König.


 


Amrilkais: Der Dichter und König.
Sein Leben dargestellt in seinen Liedern
 Taschenbuch
– von Imru Al-Qays  (Autor)

This is a reproduction of a book published before 1923. This book may have occasional imperfections such as missing or blurred pages, poor pictures, errant marks, etc. that were either part of the original artifact, or were introduced by the scanning process.

We believe this work is culturally important, and despite the imperfections, have elected to bring it back into print as part of our continuing commitment to the preservation of printed works worldwide. We appreciate your understanding of the imperfections in the preservation process, and hope you enjoy this valuable book.


Amrilkais - Imru al Kais - der Mann von Kais
um 530 nChr., der größte arabische Dichter vor dem Einbruch des Islams (622 n.Chr.)

Dichter und König, aus südarabischen Fürstengeschlecht der Hodschra. Schon sein Vater war König, seiner Grausamkeit wegen erschlagen. Der Sohn lebt der Rache, schildert alle Abenteuer seiner Rachezüge im Gedicht, "der umherirrende König" genannt.







Sonntag, 24. August 2014

Herrschaft und Islam: Religiös-politische Termini





Herrschaft und Islam:
Religiös-politische Termini im Verständnis ägyptischer Autoren
 Gebundene Ausgabe 
von Assem Hefny
 (Autor)

Assem Hefny ist derzeit Akademischer Rat am Centrum für Nah- und Mitteloststudien der Universität Marburg. Er studierte Germanistik, Islamwissenschaft und Arabistik an der Azhar-Universität in Kairo, wo er auch als Wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig war. 2010 promovierte er über Herrschaft und Islam.
Dr. Assem Hefny studierte Germanistik, Islamwissenschaft und Arabistik an der Azhar Universität in Kairo. Er erhielt seinen B.A. mit „Auszeichnung mit Ehrengrad“ und führte sein Ausbildung im Bereich der diese Fachbereiche überschneidenden, wissenschaftlichen Schnittmenge fort. 
1996 bis 2004 arbeitete er als wissenschaftlicher Assistent am Fachbereich der Germanistik und Islamwissenschaft an der Azhar Universität.
Er ist in Forschungsprojekte zum Islamic Banking in Deutschland beschäftigt. Er hält regelmäßig Vorträge zu aktuellen islamwissenschaftlichen Themen und ist seit 2009 Vorstandsmitglied in der Gesellschaft für Arabisches und Islamisches Recht e.V. (GAIR).
2008 bis 2011 war er Gastwissenschaftler und Lehrbeauftragter am CNMS der Philipps-Universität Marburg.
2010 promovierte er am Orientalischen Institut an der Universität Leipzig zum Thema: Religiös-politische Termini und muslimisches Verständnis von Herrschaft am Beispiel ägyptischer Autoren.


Die Arbeit behandelt die Problematik der Politisierung bzw. Sakralisierung arabischer Begriffe sowie das Verhältnis von Religion und Politik im Islam. Die Geschichte des Islam zeigt, dass die Bereiche des Religiösen und des Politischen nicht eins sein können, allerdings werden sie für bestimmte Ziele miteinander verwoben. D
er Islam unterscheidet zwischen beiden Bereichen und wendet sich demnach prinzipiell nicht gegen die Säkularisierung des politischen Bereichs.
Eine Vereinbarung der Scharia mit dem Säkularismus könnte anhand des maslaha-Prinzips (Gemeinwohl) erreicht werden, da der Gesetzgeber (Gott) auf das Wohl der Menschen abzielt. Dient der Säkularismus im öffentlichen Bereich dem Menschenwohl, so lässt er sich mit der Intention Gottes vereinbaren und islamisch begründen.















Mittwoch, 20. August 2014

Ägypten: Regimetausch






Inamo Heft Nr. 73  -  Ägypten: Regimetausch


Ägypten: Regimetausch
Die ägyptische Verfassung
Von Anja Schoeller-Schletter
Die neue, post-revolutionäre ägyptische Verfassung entstand im Kontext eines heftigen politischen Machtkampfes. Auf der einen Seite standen die ‚Islamisten‘, auf der anderen sammelten sich alle anderen politischen Gruppierungen, Liberale, Linke, Nasseristen und Anhänger des alten Regimes. Mit dem Preis einer tiefen gesellschaftlich-politischen Spaltung wurde der von der Opposition heftig kritisierte Verfassungsentwurf im Dezember 2012 in einem Referendum mit 63,4% Ja-Stimmen (bei einer Wahlbeteiligung von 32,9%) angenommen und damit in Kraft gesetzt. Der politische Machtkampf, der sich in erster Linie am Verfahren der Bestimmung der Mitglieder und der Zusammensetzung der Verfassunggebenden Versammlung entzündete, hatte lange Zeit den Blick auf die Verfassung selbst weitgehend verstellt. Der folgende Beitrag setzt sich mit den tatsächlichen Inhalten des Dokuments auseinander und identifiziert erste Tendenzen der Verfassungskonkretisierung.

Ägypten: Und täglich ruft die Wahlurne
Von Florian Kohstall
Würde man den Transformationsprozess in Ägypten danach bewerten, wie oft die Bürger seit dem Sturz Mubaraks an die Urnen gerufen wurden, fiele die Bilanz sicherlich positiv aus. Innerhalb von zwei Jahren organisierten der von Februar 2011 bis Juni 2012 regierende Oberste Militärrat und der seither regierende Staatspräsident Mohammed Mursi insgesamt fünf Wahlgänge: Zwei Volksreferenden, eine Präsidentenwahl und die vier Monate lang andauernden Wahlen des Unter- und Oberhauses. Im Februar 2013 kündete Präsident Mursi bereits den nächsten Wahlmarathon an.

Ägyptens Wirtschaft: Keine Rettung in Sicht?
Amr Adly
Die ägyptische Revolution ereignete sich nicht im luftleeren Raum, sondern vor dem Hintergrund der schwersten wirtschaftlichen Krise seit den späten Achtziger Jahren, die durch die Wirren nach dem Sturz Mubaraks noch verschärft wurde. Um der Not zu entkommen, setzt die Regierung auf einen IWF-Kredit, über den seit zwei Jahren verhandelt wird. Doch dieser würde den endgültigen Zusammenbruch der ägyptischen Wirtschaft nur aufschieben. Außerdem birgt er die Gefahr, dass das Land zusätzlich in den Teufelskreis der Verschuldung gerät. Dringend erforderlich sind daher maßgeschneiderte Lösungen und ein gesellschaftlicher Konsens zu ihrer Durchsetzung. Die Regierung hat sich aber als unfähig erwiesen, über den Status quo hinauszudenken und auch nur minimale Kursänderungen zu veranlassen. Die Opposition wiederum steht ihr an Planlosigkeit in nichts nach und scheint angesichts der kommenden Wahlen nur darauf zu hoffen, dass ihre Gegner an den schier unüberwindlichen Schwierigkeiten scheitern.

Arbeiter, Gewerkschaften und Ägyptens politische Zukunft
von Joel Beinin
Im Jahrzehnt vor dem Aufstand gegen die Herrschaft von Husni Mubarak gab es die ausgedehnteste Streikwelle, die Ägypten seit 1952 erlebt hatte. Die Streiks fanden in einer Zeit statt, als durchschnittliche ägyptische Haushalte in großer wirtschaftlicher Not waren, da die Löhne vor dem Hintergrund der beschleunigten neoliberalen Wirtschaftspolitik des Mubarak-Regimes nicht mit den steigenden Lebenshaltungskosten Schritt halten konnten. Da „Brot“ und „soziale Gerechtigkeit“ bei den Aufständen die zwei grundlegenden Forderungen waren, neben „Freiheit“, erwarteten viele Ägypter, dass Mubaraks Sturz und die demokratische Wahl eines neuen Präsidenten ihre wirtschaftliche Not etwas lindern würden.  Den Aktivitäten der Arbeiterschaft nach zu urteilen wurden die Erwartungen jedoch enttäuscht. Tatsächlich hat die Streikwelle gerade wieder einen Höhepunkt erreicht, mit 1400  Arbeitsniederlegungen und weiteren Arbeiterprotesten im Jahr 2011 und noch einmal mehr im Folgejahr.

Shabab al-thaura: Die symbolische Macht der ägyptischen Revolutionsjugend
Von Sarah Wessel
Während vor der „25. Januar Revolution“ die Jugend überwiegend als passiv und unpolitisch angesehen wurde und in der Regel nur im Kontext eines massiven demographischen Entwicklungsproblems rezipiert wurde, wendete sich dieses Bild nach den Umbrüchen um 180 Grad: Die shabab al-thaura, die ägyptische Revolutionsjugend, gilt als diejenige Gruppe, die die Revolution initiiert und durchgesetzt hat. Der Ausdruck shabab al-thaura steht seitdem für eine politisch aktive und selbstbestimmte Bevölkerungsgruppe, die offenbar keine Differenzierung nach sozialen oder ökonomischen Kriterien kennt.

Frauenschwestern und Muslimbrüder: Parallelen
Von Gihan Abou Zeid
Die Schwindelerregenden Wahlsiege der Muslimbrüder und Salafisten haben der ägyptischen Frauenrechtsbewegung eine bittere Lektion erteilt. Verwundert reibt sie sich die Augen und muss sich eingestehen, dass es dem politischen Islam gelungen ist, überall in der ägyptischen Gesellschaft Wurzeln zu schlagen. Vor allem verfügt er in der Masse der Bedürftigen über eine solide Basis, während ihr selbst der Boden unter den Füßen zu entgleiten droht. Sie braucht daher dringen eine neue Strategie und sie braucht neue Methoden. Es reicht nicht aus, alle Jahre zum Weltfrauentag ein paar Seminare, Filmvorführungen und Ausstellungen zu veranstalten, auch wenn sie eine noch so gute Presse finden. Die Frauenbewegung muss aus ihrem Elfenbeinturm heraus und mit ihrer Arbeit ebenfalls ganz unten beginnen, auch wenn ihre Mittel und Möglichkeiten im Vergleich zu den Religiös-Konservativen zunächst begrenzt erscheint.

Mursi auf Reisen: Alte Seilschaften, neue Netzwerke

Von Thomas Demmelhuber
Mit Amtsantritt im Sommer 2012 verkündete der ägyptische Präsident Mursi nicht nur ein ehrgeiziges innenpolitisches Programm. Er kündigte auch eine selbstbewusste außenpolitische Neupositionierung des Landes an. Eine erste Bilanz der Außenpolitik unter Mursi fällt aber ernüchternd aus: Die Präsidentschaft Mursi verfügt derzeit nicht über die Kapazitäten für eine Formulierung einer proaktiven Außenpolitik. Jenseits symbolischer Gesten sind es die realpolitischen Zwänge der Regierung in Kairo, welche derzeit wenig Spielraum für eine „Außenpolitik der Optionen“ jenseits der traditionellen Pfeiler ägyptischer Außenpolitik, bieten.


Dienstag, 19. August 2014

Afghanistan: Wahlbeobachtungen am Hindukusch 2014






Inamo Heft Nr. 78  -  Afghanistan


Afghanistan: Wahlbeobachtungen am Hindukusch 2014 
Von Matin Baraki
Den Kampf um den Kopf des toten Kalbes nennen die Afghanen, das schon im März 2013 faktisch begonnene Wahlkampftheater um das Präsidentenamt am Hindukusch, dessen erster Wahlgang am 5. April 2014 stattgefunden hat. Es geht auch jetzt wieder um Postenverteilung unter den Warlords und ihrer Entourage.

Zwischen Bürgerkrieg und fragiler Staatlichkeit Von Conrad Schetter
Dieser Beitrag entwirft drei mittelfristig denkbare Szenarien für die Zukunft Afghanistans, die sich aus der Analyse zentraler Strukturelemente ergeben: des Aufbau verlässlicher staatlicher Institutionen im Rahmen der bisherigen Intervention; der Sicherheits- und Gewaltkonstellationen im Land; der politischen Trennlinien im Land; der Einwirkungen des regionalen Umfeldes sowie der internationalen Akteure; und schließlich der politischen Ökonomie des Landes.

Die an den Hebeln sitzen.
Genese und Zukunft der „Warlords“ in Afghanistans neuer Oligarchie 
Von Thomas Ruttig
Ruttig setzt den Begriff „Warlords“ als relativ rezentes Phänomen, das im Zuge der bewaffneten Konflikte seit Ende der 1970er Jahre entstand, in Anführungszeichen. Nach der 10jährigen sowjetischen Besatzung fand das Regime Präsident Najibullahs (1986-92) sein Ende, als es von Jelzin fallengelassen wurde. Eine zerstrittene Koalition von Mujahedin-„Parteien“ übernahm 1992 die Macht. „In der Folge“, schreibt Ruttig, „brachen Fraktionskriege aus, in denen das Land in Einflussbereiche verschiedener bewaffneter Fraktionen in schnell wechselnde Allianzen zerfiel. Beendet wurde die kurze, aber folgenschwere Herrschaft der "Warlords" 1996 durch die zwei Jahre zuvor entstandene Taliban-Bewegung, deren Ziel, die Fraktionskriege zu beenden und alle Fraktionen zu entwaffnen, ihr zunächst Unterstützung in weiten Teilen der Bevölkerung sicherte. Die wichtigsten Warlords flohen außer Landes; einige hielten bis 2001 Enklaven im Nordosten des Landes.“ Heute sind die Warlords in Afghanistans politischer, wirtschaftlicher und Sicherheitsarchitektur fest verankert.

„We have failed, we have lost”
- Afghanistans Opiumproduktion auf Rekordhöhe 
Von Janet Kursawe
Seit nunmehr 23 Jahren hält Afghanistan den traurigen Rekord, der mit deutlichem Abstand wichtigste globale Opiumlieferant zu sein. Nur im Jahr 2000 unter der Taliban-Herrschaft gelang es seither einmal, den Schlafmohnanbau auf einen vergleichsweise geringen Wert von 185 Tonnen zu drosseln. In allen anderen Jahren belief sich der Ertragswert mindestens im unteren vierstelligen Bereich. Ab 2006 legte die Opiumproduktion noch einmal um einige tausend Tonnen pro Jahr zu. Im vergangenen Jahr erreichte die Anbaufläche mit rund 210.000 Hektar einen neuen Rekordwert. Die Drogenbekämpfung zeigt damit auf besonders deutliche Weise das Versagen der internationalen Intervention von Militärs und Entwicklungshilfe in Afghanistan.

Das neue Kabul – Besitzkämpfe und Interessen im Urbanisierungsprozess Von Katja Mielke
Im ersten Jahr nach dem Beginn der internationalen militärischen Intervention in Afghanistan wurde im Zuge der Wiederaufbau- und Entwicklungsbemühungen die Vision einer islamischen Hauptstadt der Weltklasse (Issa 2010) für Kabul geboren. Das neue Kabul – Kabul-e Jadid – sollte auf einer Fläche anderthalb mal so groß wie die bestehende Stadt im nördlich angrenzenden Distrikt Dehsabz entwickelt werden. Praktisch vom Reißbrett wurde in den Folgejahren ein Masterplan für die scheinbar menschenleere Ebene entworfen, die Kabul mit Bagram verbindet. Bis 2025 sollten hier auf einem Territorium von 500 km2 Wohnraum und Infrastruktur für ursprünglich drei Millionen Menschen sowie eine halbe Million Arbeitsplätze entstehen.  Der Masterplan sieht den Bau von 250,000 Wohneinheiten für 1,5 Millionen Menschen vor. Das angrenzende Barikab war (vor allem wegen der Wasserversorgung) mit in die Planung eingeschlossen, um die Vision der ersten CO2-freien Hauptstadt der Welt (ibid.) zu untermauern.

Perspektiven der afghanischen Flüchtlinge in Deutschland Von Matin Baraki
Flüchtlinge und Migration stellen in der afghanischen Geschichte ein relativ neues Phänomen dar. Im 19. und 20. Jahrhundert wurden einzelne, politisch aktive Persönlichkeiten durch die jeweiligen Herrscher entweder des Landes verwiesen oder zur Flucht gezwungen. Einer der ersten Flüchtlinge war 1868 der Gelehrte und islamische Kosmopolit, wie er sich selbst verstand, Sayed Jamaludin Afghani (1839-1897), der einige Jahren in Persien, der Türkei und Ägypten gewirkt und gelebt hat.
Durch sein Engagement als islamischer Befreiungstheologe in Ägypten wurde er im arabischen Raum als Al-Afghani bekannt. Sein wichtigster Schüler war der Mitbegründer der intellektuellen Bewegung „Salafiya“, der ägyptische Mufti Mohammad Abduh. Ein weiterer politischer Flüchtling war der bedeutende Publizist und spätere Außenminister Afghanistans, Mahmud Tarzi, der 1902 aus der türkischen Emigration nach Kabul zurückkehren konnte.
In den Jahren der britischen Eroberungskriege 1838-1842, 1878-1880, 1919 und der Besetzung Afghanistans gab es lediglich Binnenflüchtlinge.



Weitere Infos siehe auch
http://www.inamo.de/index.php/aktuelles-heft.html