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Mittwoch, 15. Oktober 2014

Repräsentation der kaiserzeitlichen Elite Lykiens





Die lykischen Bundespriester:
Repräsentation der kaiserzeitlichen Elite Lykiens

Gebundene Ausgabe von Denise Reitzenstein (Autor)


Auf der lykischen Halbinsel im Südwesten der heutigen Türkei präsidierte in der Zeit des 1. bis 3. Jahrhunderts n. Chr. jährlich ein Bundespriester des Kaiserkultes, der Archiereus, dem lykischen Bund, einem festen Zusammenschluss lykischer Städte.
Er war auch der wichtigste Ansprechpartner der römischen Statthalter und kaiserlichen Procuratoren in der Provinz. Nach seiner Amtszeit blieb das hohe Ansehen des Bundespriesters bestehen. Die ehemaligen Archiereis, ihre Familien, Heimatstädte und andere lykische Gemeinden machten das gewonnene Prestige für repräsentative Zwecke nutzbar. Diesem Umstand ist es auch zu verdanken, dass die meisten verfügbaren Informationen zu den Bundespriestern inschriftlich überliefert sind.

Bisherige Untersuchungen haben diese Wandlungsprozesse von der hellenistischen Zeit bis in das 3. Jahhrundert n. Chr. nicht berücksichtigt. Sie beschränken sich fast ausschließlich auf eine Analyse von Einzelfragen, etwa nach dem Verhältnis der kaiserzeitlichen Titel Archiereus und Lykiarch zueinander oder nach den Beziehungen einzelner Bundespriesterfamilien. Die vorliegende Studie geht daher diachron der inschriflichen Repräsentation des obersten Bundesamtes nach. Sie untersucht jedoch nicht nur seine historische Entwicklung, sondern setzt auch die Überlieferung in Beziehung zu den relevanten Akteuren der Kaiserzeit, d.h. Familie, Stadt, Statthalter und Kaiser.

Der systematische Teil wird ergänzt durch einen Abschnitt zu den unterschiedlichen Kompetenzen des amtierenden Bundespriesters, aber auch seines weiblichen Pendants, der Archiereia.
Darüber hinaus werden weitere Funktionen der Archiereis und ihre Bedeutung im Repräsentationsverhalten untersucht. Erstmals liegt damit ein systematischer Katalog der lykischen Bundespriester vor.

Die Ergebnisse der Arbeit liefern ein umfangreiches Bild der hellenistisch-kaiserzeitlichen Elite Lykiens, der gesellschaftlichen und politischen Eigenarten gegenüber anderen Regionen des römischen Reiches, aber auch der Integrationsfähigkeit der lykischen in die kaiserzeitliche Gesellschaft. Die Studie trägt damit zu einem besseren Verständnis der griechisch-römischen Sozialgeschichte bei.





Siehe auch:
http://naherosten-middleeast.blogspot.co.at/2014/10/arykanda.html


Arykanda


Die Ruinen der antiken Stadt Arykanda liegen ca. 35 km landeinwärts von der Küstenstadt Finike entfernt. Biegen Sie in Finike von der Küstenstraße D400, Richtung Elmalı, auf die Nationalstraße D635 ab. Die Straße ist seit 2006 / 2007 hervorragend ausgebaut. 

Am nördlichen Ende des Dorfes Arif, an einem kleinen Wasserfall,  führt rechts im spitzen Winkel die ca. 1,5 km lange Zufahrtsstraße zu den Bergterrassen der Ruinenstadt. Die Straße ist mit einem normalen PKW gut zu befahren.



Das Ruinenfeld ist eingebettet in die atemberaubende Bergwelt des Taurusgebirges. Die Stadt liegt auf kleinen Plateaus inmitten eines Steilhanges. Das Massiv des Şahinkaya schützt die Stadt von der Bergseite. Wegen dieser einzigartigen Lage war die Stadt bereits in der Antike berühmt. Auch heute, weit über 2000 Jahre später, lohnt die Besichtigung der Ruinen von Arykander schon allein wegen der herrlichen Aussicht.



























Die Stadt wurde vermutlich bereits im 6. Jh. v. Chr. gegründet. Münzfunde aus dem 5. Jh. v. Chr. belegen eine lange Stadtgeschichte, jedoch taucht der Name der Stadt erst in schriftlicher Form im 2. Jh. v. Chr. als Mitglied des Lykischen Bundes auf. Wie Limyra gehörte Arykanda ab 43 n. Chr. zur römischen Provinz Lycia et Pamphilia. Aus der römischen Epoche stammen auch die Meisten der heute noch erhaltenen Bauwerke. Es ist überliefert, dass die Arykander einen denkbar schlechten Ruf hatten. Sie galten als vergnügungs- und verschwendungssüchtig und waren in der Mehrzahl hoch verschuldet.
Das Christentum fand früh Anhänger in der Stadt, diese blieben aber auch vor der Christenverfolgung im 3. Jh. nicht verschont.  In byzantinischer Zeit wurde Arykanda Bischofssitz. Die Stadt blieb bis zum 11. Jahrhundert besiedelt. Warum die Stadt dann letztendlich aufgegeben wurde ist nicht überliefert.




Auf der höchsten ausgegrabenen Terrasse befindet sich das Stadion, das mit 170 m Länge deutlich kleinere Maße als die üblichen römischen Anlagen hat. Sitzplätze für die Zuschauer gibt es nur an der Bergseite des Stadions. Auf gleicher Höhe, etwa 300 m westlich des Stadions, liegen die Ruinen des Buleuterions, einer Stoa, mehrerer Geschäfte und einer Zisterne.
Unterhalb des Stadions sind die 20 Sitzreihen des gut erhaltenen Theaters im Mittelteil direkt in den Berg gehauen, und nur die Seitenflügel sind aufgebaut. Auf einer tieferen Ebene liegt das ursprünglich mit Marmor verkleidete Odeon und davor, etwas tiefer, die Agora. Auf der nächsttieferen Ebene liegt die Nekropole mit Grabstätten, die zum Teil im Stil von Tempeln errichtet sind. Das Gymnasion und die Thermen befinden sich unterhalb der Nekropole.










Samstag, 11. Oktober 2014

Der Damaszener Freund






Rafik Schami 
(* 
23. Juni 1946 in DamaskusRafīq Šāmī) ist ein syrisch-deutscher Schriftsteller und ein promovierter Chemiker. Das Pseudonym „Rafik Schami“ bedeutet Damaszener Freund oder „der aus Damaskus kommt“, der bürgerliche Name des Autors ist Suheil Fadél (‏Suhail Fāḍil).
1971 ging es nicht mehr. Rafik Schami, der damals noch Suheil Fadél hieß, hatte das Gefühl, in Syrien zu ersticken. 25 Jahre war er alt. Ein Chemiestudent, der Lehrer werden wollte, eigentlich aber Schriftsteller. Der eine Wandzeitung gegründet hatte, die später verboten wurde. Der Stücke zum Zensor trug und nicht hinnehmen wollte, dass dieser mit kalter Höflichkeit die Pointe bemängelte. Er floh nach Deutschland, und drei Jahre später wurde die latente Gefahr, die er gespürt hatte, konkret. Enge Freunde wurden verhaftet und kamen bis zu zehn Jahre ins Gefängnis. Um die Familie nicht in Gefahr zu bringen, gab er sich einen neuen Namen: Rafik Schami, Damaszener Freund. Damaskus hat er nie wiedergesehen.
In Melancholie versunken ist Rafik Schami deshalb trotzdem nicht. Manchmal, sagt er, spüre er Bitterkeit, aber keinen Hass, denn dem Hass begegnet er mit einem grundsätzlichen Misstrauen. Nein, er ist kein Trauernder, auch zum Märtyrer taugt er nicht. "Mir schmecken eine Schüssel Salat und ein Glas Wein hier in Deutschland besser als das Einheitsessen aus dem Eimer im syrischen Gefängnis", sagt er verschmitzt.
Die bestimmenden Themen von Schamis Werk sind das Leben der Migranten in Deutschland, die Darstellung der arabischen Welt damals, heute und in der Utopie, Politik und Gesellschaft sowie das Erzählen. Schami gilt als ein begnadeter Erzähler. Er trägt entsprechend der Erzähltradition seiner Heimatstadt Damaskus seine Geschichten am liebsten mündlich seinem Publikum vor. Ein wesentliches Merkmal von Schamis Stil ist seine Nähe zur oralen Tradition des arabischen Geschichtenerzählens, man kann sogar von einer Integration der arabischen und der deutschen Tradition von Erzählung sprechen.
Die meisten seiner Bücher sind Sammlungen von Geschichten, wobei die Erzählungen bewusste Anklänge an die arabischen Nächte (1001 Nacht) sind. Innerhalb einer rein narrativen Rahmenhandlung, also von Geschichtenerzählern wird eine Serie von ebenfalls mündlich vermittelten Geschichten entfaltet. Schon als Kind erzählte er seinen Freunden in den Straßen von Damaskus Geschichten und seine heutigen öffentlichen Auftritte sind weniger öffentliche Lesungen als freie Wiedererzählungen seiner Arbeiten.


Weiterführende Links :
http://www.rafik-schami.de/links.cfm






Übersetzungen 
Rafik Schamis Bücher sind bisher in 28 Sprachen erschienen: Arabisch, Baskisch, Bosnisch, Chinesisch, Dänisch, Deutsch, Englisch, Finnisch, Französisch, Griechisch, Hebräisch, Italienisch, Japanisch, Katalanisch, Koreanisch, Kroatisch, Niederländisch, Norwegisch, Polnisch, Portugiesisch, Russisch, Schwedisch, Serbisch, Slowenisch, Spanisch, Tschechisch, Türkisch und Urdu. 


Donnerstag, 2. Oktober 2014

Jakob Eduard Polack war Leibarzt des Schahs Naser al-Din Schâh Qajar





Dieser Herr hat nicht nur gerade ein kleines Tässchen Mokka zu sich genommen sondern gilt auch als Begründer der modernen Medizin im heutigen Iran: Jakob Eduard Polak (1818–1891) war ein österreichischer Arzt und Ethnograph, der in den 1850er Jahren in Teheran lebte.

Er bereiste die entlegendsten Winkel Persiens und wurde nach seiner Rückkehr nach Wien ein gefragter Fachmann für die Region. Wer eine seiner zahlreichen Schriften lesen möchte, wird natürlich bei uns fündig. Profunde Kenntnisse in Persisch sind für die Lektüre übrigens nicht von Nachteil:
http://data.onb.ac.at/ABO/%2BZ171305102

 



Jakob Eduard Polack war  ein  österreichischer Arzt und Ethnograph, der sich besonders um den Aufbau einer modernen Medizin in Persien sowie um die Beziehung zwischen Österreich-Ungarn und diesem Land verdient gemacht hat.
Polak gilt somit als Begründer der modernen Medizin im heutigen Iran. 1855 wurde er Leibarzt des Schahs Naser al-Din Schâh Qajar, den er auf seinen Reisen begleitete. Nebenbei betrieb er auch soziokulturelle und naturwissenschaftliche Forschungen – er „‚war ein auf Persien spezialisierter Humboldtist im höchsten Sinne‘, vor der Trennung zwischen Natur- und Geisteswissenschaften“
, so ein auf Polak spezialisierter Forscher.

Samstag, 13. September 2014

Die Geschichte der arabischen Völker





Die Geschichte der arabischen Völker:
Weitererzählt bis zum Arabischen Frühling von Malise Ruthven

Gebundene Ausgabe – 25. September 2014 von Albert Hourani (Autor), Manfred Ohl (Übersetzer), 
Hans Sartorius (Übersetzer)Albert Hourani, 1915 als Sohn libanesischer Eltern in Manchester geboren, studierte in Oxford. Er lehrte zunächst an der Amerikanischen Universität in Beirut. Während des Zweiten Weltkrieges arbeitete er als Attaché der britischen Regierung beim Armeehauptquartier in Kairo.
Nach dem Krieg lehrte er in Oxford am St Anthony's College; zuletzt – bis 1971 – war er Direktor des Middle East Center. Seit 1979 emeritiert, wirkte er als Gastprofessor in Chicago, Harvard und Dartmouth.
Albert Hourani starb 1993

DAS GRANDIOSE MEISTERWERK, DER KLASSIKER ZUR GESCHICHTE DER ARABISCHEN WELT, von den Anfängen des Islam bis heute.

Jetzt in einer repräsentativen Neuausgabe mit einem aktuellen Nachwort, das die Geschichte bis zum Arabischen Frühling weitererzählt.

Der große Orientalist Albert Hourani, ein Wanderer zwischen den Welten, präsentiert in seinem elegant erzählten Klassiker die gesamte Geschichte und Kultur der arabischen Völker seit dem 7. Jahrhundert. Brillant beschreibt er die rasante Verbreitung des Islam und erzählt von den Gelehrten, Völkern und Ereignissen, die die arabische Welt prägten. Er schildert Aufstieg und Ende des Osmanischen Reichs, die Folgen der europäischen Expansion und die Konflikte in der Region, bis hin zur Intifada und den Golfkriegen. Wie es danach bis zum Arabischen Frühling weiterging, erzählt der bekannte Publizist und Islamwissenschaftler Malise Ruthven in seinem aktuellen Nachwort.

Fulminante historische Erzählung und kluge Analyse zugleich, ist das Buch ein unentbehrlicher Beitrag zum Verständnis der heutigen arabischen Welt.


Die arabische Welt wir hier im Westen oft als Bedrohung empfunden und bei dem Wort Islam denkt man sofort an fundamentalistische Terroristen. Albert Hourani bemüht sich in seinem Buch, diese Vorurteile auszuräumen und wirbt für Verständnis indem er die Entwicklung der heutigen arabischen Völker nachvollzieht.
Besonderes Augenmerk richtet er dabei auf die Entwicklung von Recht und Gesellschaft. Gerade die Beschreibung der islamischen Rechtstraditionen kann mit einigen Vorurteilen aufräumen.
Leider muß ich sagen, daß das Buch recht trocken geschrieben ist und stellenweise recht schwierig ist dem Autor zu folgen. Man muß oft im dem seht nützlichen Glossar nachschlagen, was den Lesefluß leider stört. trotzdem ist das Buch informativ und man wird nach der Lektüre, die Nachrichten aus dem Nahen Osten mit anderen Augen sehen.

Donnerstag, 11. September 2014

Abbas al-Awwal, Schah Abbas I.




Schah Abbas I.

war ein persischer Herrscher aus der Dynastie der Safawiden (Safawiden war der Name einer Herrscherdynastie im Iran, die von 1501 - 1736 n.Chr. regierte und die Schia als Staatsreligion vorgab).

Er regierte von 1587 bis 1629 n.Chr. als Schah von Persien. Er kam an die Macht, nachdem er seinen Vater in einer Palastrevolution gestürzt hatte. Abbas I. gelang es sein Reich zu vergrößern, indem er die Usbeken bei Herat (eine Stadt im westlichen Afghanistan im Tal des Hari Rud) besiegte und aus Chorasan (eine historische Region in Zentralasien) vertrieb. 

Auch führte er einige Kriege mit den Osmanen. 1598 verlegte er seine Hauptstadt von Qazvin nach Isfahan, wo er viele Bauwerke errichten ließ. 1599 soll Abbas I. seine Armee mit Hilfe der Engländer reformiert haben. Mit dieser neuen Armee konnte er 1603 die Osmanen besiegen und eroberte so die westpersischen Gebiete und den Irak. 1605 vertrieb er die Osmanen aus Basra.
Er führte zudem 1609-1610 einen Krieg gegen den kurdischen Emir Emirhan Lepzerin und eroberte deren Burg von Dimdim, die am Urmiasee lag. Zahlreiche Kurden sollen nach Chorasan deportiert worden sein.
1615 schlug Abbas I. einen Aufstand der Georgier in Tiflis nieder, wobei mehr als 60.000 Menschen starben und weitere 100.000 vertrieben wurden. Eine Allianz zwischen Osmanen und Tataren wurde 1618 ebenfalls geschlagen. 1622 eroberte er die Insel Hormuz von den Portugiesen zurück. Zu dieser Zeit gründete er die nach ihm selbst benannte Stadt Bandar Abbas.

Als Abbas I. starb, reichte sein Reich vom Tigris bis zum Indus. Aus Angst, dass er ebenfalls von einem Familienmitglied gestürzt werden würde, ließ er seinen ältesten Sohn Safi Mirza töten und andere Angehörige einsperren. Abbas I. Nachfolger wurde sein Enkel.

Aufgrund seiner militärischen Erfolge wurde er auch "der Große" genannt. Zahlreiche in seiner Zeit gebaute Bauwerke wie die große Moschee in Isfahan waren ursprünglich nach ihm benannt. Nach der Islamischen Revolution im Iran wurden derartige Benennungen aber aufgehoben, da die Zeit der Gewaltherrschaft im missbrauchten Namen des Islam nicht geehrt werden sollte.

Abdülbaki Pascha Bibliothek





Abdülbaki Pascha Bibliothek (Abdülbaki Paşa Kütüphanesi) ist eine ehemalige kleine Bibliothek unmittelbar neben der Merkez Efendi Moschee.

Sie wurde einstmals für den Gouverneur von Marasch (Maraş) namens Abdülbaki Pascha (Paşa) in Istanbul als Schrein gegründet. Unmittelbar neben dem Gebäude befinden sich Gräber. Man hat aber Abstand davon genommen, das Gebäue als Schrein zu nutzen und es wurde zu einer Kinderbibliothek umfunktioniert. Zuvor wurde es dann auch als Schule und als Lagerhalle genutzt.

Ab ca. 1970 n.Chr. war es als Kinderbibliothek bekannt. Das kleine Gebäude steht auf einem nahezu quadratischen Grundriss und hat eine Kuppel. Das 2007 n.Chr. verfallene Gebäude wurde vom Stadtamt restauriert und als Abdülbaki Pascha Neyhane, also ein Gebäude zum Spielen des Instruments "Ney" für kulturelle Veranstaltungen dem Publikumsverkehr eröffnet.




























Mittwoch, 3. September 2014

Reise zum Herrn der Macht






Reise zum Herrn der Macht: Meine Reise verlief nur in mir selbst
Taschenbuch von Muhyiddin Ibn Arabi (Autor), Franz Langmayr (Übersetzer), Wolfgang Herrmann (Übersetzer)


Muhyiuddin Muhammad Ibn Arabi gilt als einer der bekanntesten Mystiker. Er wurde auch  als "der größte Meister" [al-schaich al-akbar] bezeichnet, weil sein Einfluss auf die allgemeine Entwicklung des Sufismus sehr hoch eingeschätzt wird.

Ibn Arabi wurde am 7. August 1165 in Murcia (Spanien) geboren und entstammt einer sehr berühmten Familie. Sein Vater war ein einflussreicher Mann, zu dessen Freunden unter anderem Averroes und Abd al-Qadir al-Dschilani zählen.
Nach der Besetzung Murcias durch die Almohaden (eine muslimische Berber-Dynastie, die zwischen 1147 und 1269 über den Maghreb und al-Andalus herrschte) siedelt die Familie des damals achtjährigen Ibn Arabi nach Sevilla um. Dort studiert er den Heiligen Qur'an und Auslegung [tafsir], die Verfahrensweise [sunna], islamisches Recht [scharia], arabische Grammatik und hört Vorträge der berühmtesten Lehrer seiner Zeit.

Er wird auch von zwei geehrten Frauen erzogen, Schams Umm al-Fuqara aus Marchena und Munah Fatima bint Ibn al-Muthanna aus Cordoba. Beide sind zu diesem Zeitpunkt schon sehr alt, letztere zumindest über neunzig Jahre.
Einige Jahre später heiratet Ibn Arabi eine Frau namens Maryam bint Muhammad ibn Abdun. Diese ist eine sehr beliebte und einflussreiche Person und teilt mit ihrem Ehemann den Wunsch, sich in die Mystik zu vertiefen.

Im Jahr 590 n.d.H. (1193 n.Chr.) verlässt Ibn Arabi die iberische Halbinsel und reist nach Tunis (Tunesien). Auf dieser Reise behauptet er Chidhr begegnet zu sein und von ihm ein Chirqa, ein Gewand des Sufismus, erhalten zu haben.
Aufgrund der andauernden Kämpfe in Nordafrika entscheidet er sich noch im selben Jahr, nach Andalusien zurückzukehren. Dabei trifft er auf dem Weg nach Sevilla in der Stadt Tarifa auf al-Qalafat, um mit ihm über die Verdienste der Armut und des Reichtums zu diskutieren.
In den Jahren 591 und 593 n.d.H. bereist er Fes, wo sein Ruf ihm vorauseilt und viele Schüler anzieht. Anschließend kehrt er in seine Geburtsstadt Murcia zurück. Auf dem Weg dorthin verweilt er in Granada und besucht die Sufi-Schule von Almeria, die von Ibn al-Arif gegründet war.

598 n.d.H. unternimmt Ibn Arabi eine weite Reise in den Orient, wobei er Alexandria, Kairo und schließlich Mekka besucht. 601 n.d.H. verlässt er Mekka und geht nach Bagdad. Anschließend bereist er Ägypten und geht 604 n.d.H.erneut nach Mekka. Ibn Arabi besucht auch Konya.
Im Jahr 620 n.d.H. beschließt Ibn Arabi, sich in Damaskus niederzulassen, wo er bis zu seinem Tod am 28. Rabi-ul-Achir 638 n.d.H. (16.11.1240 n.Chr.)bleibt.

Eine kleine Auswahl seiner Werke ist:
 - "Übersetzung der Sehnsüchte" [tardschuman al-aschwaq]
 - "Die mekkanischen Offenbarungen" [al-futuhat-ul-makkiyya]
 -  "Ringsteine der göttlichen Weisheit" [fusus al-hikam] - in Deutsch erschienen als "Die Weisheit der Propheten"
 - "Der Geist der Heiligkeit, der die Seele leite" [ruh al-quds fi munakahat an-nafs]
 - "Die vollkommene Perle, die Geschichten von denjenigen erzählt, die mir auf dem Weg in die andere Welt geholfen haben" [durrat al-fakhirah fi dhikr man intafa’tu bihi fi tariq al-achirah]
 - "Der innerste Kern" [lubbul lubb] und "Buch der Antworten" [kitab al-Adschwibah] - beide Texte sind in Deutsch erschienen unter dem Titel "Der verborgene Schatz"
Zu den von ihm vertretenen Konzepten gehört auch die Einheit der Existenz [wahdat-ul-wudschud].

Meine Reise verlief nur in mir selbst 

»Ich sah dich nicht auf meinem Weg. Gibt es da noch einen anderen Pfad?« // »Ein jeder hat seinen Weg, den niemand sonst als nur er beschreitet.« // »Und wo befinden sich diese verschiedenen Wege?« //
»Sie entstehen durch das Reisen selbst.«

Zwei Texte des andalusischen Mystikers Ibn Arabi (1165–1240), des »größten Meisters«, die – in Anspielung auf die berühmte »nächtliche Reise« oder Himmelfahrt des Propheten Mohammed – die Umstände und Erfahrungen des völligen Aufgehens in Gott beschreiben.
Ibn Arabis Bearbeitung dieses Materials widerspiegelt sowohl seinen besonderen Zugang zum Koran und den Hadithen als auch die ganze Spannweite seiner metaphysisch-theologischen Lehren und seines Interesses an praktischer Spiritualität.

Im engeren Sinn eine Erläuterung von khalwa, einer Sufi-Übung zur Erlangung der Gegenwart Gottes durch absolute Aufgabe der Welt, beschreibt die Reise zum Herrn der Macht den geistigen Aufstieg durch alle Stufen der Existenz bis hin zur Göttlichen Gegenwart. Ibn Arabi ruft den, der den mystischen Weg der Sufis gehen will, dazu auf, sein Herz zu reinigen und eins zu werden mit seiner inneren Essenz.
Mit großer Klarheit und der Überzeugungskraft autobiografischer Passagen schildert Ibn Arabi die Erfahrung seiner eigenen Himmelfahrt auch im Text Meine Reise verlief nur in mir selbst, einer hier erstmals auf Deutsch vorliegenden, kommentierten Übersetzung des Kapitels 367 aus seinen umfangreichen »Futuhat al-Makkiyah«.



Dienstag, 2. September 2014

Mirza Schafi Wadha - ein Dichter




Mirza Schafi Wadha
war ein Dichter im 19. Jh. n.Chr. in Aserbaidschan.


Er ist 1794 in Gendsche (Aserbaidschan) geboren. Sein Großvater war Muhammad Schafi, einer der Prominenten der Stadt.
Sein Vater Kerbelayi Sadihwar Architekt des Dschawad-Chan-Palastes in seiner Geburtstadt. In der Madrasa lernte er Arabisch und Persisch.
 Seine Verse erschienen in mehreren europäischen Sprachen. 1844 gründete er in Tiflis die literarische Gesellschaft „Divani-hikmət“, die viele prominente Aserbaidschaner, Russen und ausländische Intellektuelle besuchten.

1840 zog er nach Tiflis und arbeitete dort als Lehrer. Mirza Schafis schrieb in Azeri-Türkisch und Persisch. Seine Dichtung wurde in mehrere europäische Sprachen übersetzt.
1844 gründete er in Tiflis die literarischen Kreis "Divani-Hikmet". Dort lernte Friedrich von Bodenstedt ihn kennen.
Bodenstedt veröffentlichte 1851 in Deutschland "Die Lieder des Mirza-Schaffy" mit Übersetzungen der Gedichte von Mirza-Schafi.  Das Buch wurde zu einem großen Erfolg  und wurde in mehrere europäische Sprachen übersetzt.

Nach dem Ableben von Mirza-Schafi behauptete Bodenstadt allerdings, dass er die Gedichte selbst geschrieben hätte.

Mirza-Schaffy hat zusammen mit V.V.Grigoryev das erste Sprachehrbuch in Azeri-Türkisch mit dem Titel "Kitabi-Türki" verfasst.
Er starb 1852 in Tiflis.



Dass du am Abend zu mir kommst, 

Wird sehr zu deinem Frommen sein, 
Wenn du am Morgen lieber kommst 
Es soll dir unbenommen sein – 
Komm du zu irgendeiner Zeit, 
Wirst allezeit willkommen sein!



Dies soll euch jetzt als neuestes Gebot 
Verkündigt werden: 
Es soll auf Erden nicht mehr ohne Not 
Gesündigt werden! 
Wo nicht ein süßer Mund, ein schönes Auge
Verlangen weckt, – 
Da soll den Sündern alle Gnade nun 
Gekündigt werden! 
Jedweder Mund, der sich in schlechten Küssen 
Versündigt hat, 
Kann nur durch eine Flut von echten Küssen 
Entsündigt werden!


Asmi Achmed Effendi, erster Botschafter der Osmanen






Asmi Achmed Effendi,
auch Azmi Ahmet Efendi geschrieben, war der erste Botschafter der Osmanen in Berlin.

Nachdem bereits im November 1763 eine türkische Gesandtschaft in Berlin kurzzeitig anwesend war, traf Asmi Achmed Effendi mit einer 15-köpfigen Gefolgschaft am 16.2.1791 in Berlin ein und bezog am Gendarmenmarkt Quartier. 


1779 erscheint er bei König Friedrich Wilhelm II. zu einer Audienz.
1918 verfasste Otto Müller seien Dissertation mit dem Titel "Azmi Efendis Gesandtschafts-reise an den preußischen Hof. Ein Beitrag zur Geschichte der diplomatischen Beziehungen Preußens zur Hohen Pforte unter Friedrich Wilhelm II." (Hohe philosophische Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel).
Asmi Achmed Effendi wurde unter dem Vorwand der Erwiderung der bei dem letzten Thronwechsel dargebrachten Glückwünsche am 12. November 1790 losgeschickt. Er war ein Neffe des Gesandschaftsleiters von 1763 Ahmed Resmi, mit dem er damals in Berlin war.
Der Vorwand war:
Er sollte ein an den König gerichtetes Schreiben des Sultans überbringen, worin dieser verlangte, dass der König den Krieg gegen Russland nun bestimmt im Frühjahr beginne und nicht eher Frieden schließe, als bis die Krim wiedererobert sein würde. Dazu hatte er die Aufgabe, in Berlin zu bleiben.



Donnerstag, 28. August 2014

Verfassung von Medina

Die Verfassung von Medina ist die erste staatliche Verfassung im Islam.
Sie wird oft dargestellt als eine Art Gesellschaftsvertrag zwischen dem Propheten Muhammad (s.) nach seiner Auswanderung [hidschra] als Vertreter der Auswanderer und der ihn willkommen heißenden Bevölkerung von Medina.
"Artikel 1. Dies ist ein Abkommen des Gesandten Allahs zwischen den Gläubigen und Muslimen von den Quraisch (Die Quraisch sind der Großstamm in Mekka von dem Prophet Muhammad (s.) und sämtliche Ahl-ul-Bait (Mit "Leute des Hauses" sind zunächst die Mitglieder des Hauses des Propheten Muhammad (s.) und von Fatima (a.) gemeint) sowie zahlreiche Gefährten abstammen) und den Leuten von Yathrib (Medina) und denen, die sich unter ihnen aufhalten und sich ihnen angeschlossen haben und ihnen im Kampf zur Seite stehen."
Tatsächlich aber handelt es sich um eine Art staatliche Verfassung mit göttlichem Bezug. Sie wird auch als erste staatliche Verfassung des Monotheismus betrachtet.

Die vertragliche Übereinkunft erfolgte 623 n. Chr. Der vollständige Text wurde in der Prophetenbiographie [sira] von Ibn Hischam (Abu Muhammad Abd al-Malik ibn Hischam war der Herausgeber der bekannten Biographie des Propheten Muhammad (s.)) weidergegeben.

Im Namen Gottes, des Gnädigen, des Barmherzigen

1. Dies ist ein Abkommen des Gesandten Allahs zwischen den Gläubigen und Muslimen von den Quraisch und den Leuten von Yathrib (Medina) und denen, die sich unter ihnen aufhalten und sich ihnen angeschlossen haben und ihnen im Kampf zur Seite stehen.


2. Diese bilden eine einige Gemeinschaft, die sich von den übrigen Menschen unterscheidet.

3. Die Auswanderer vom Stamm der Quraisch sollen für ihren Bereich verantwortlich sein, in gegenseitiger Zusammenarbeit ihre Entschädigungszahlung [diyya] zahlen und ihre Gefangenen auslösen, in Güte und Gerechtigkeit unter den Gläubigen.

4. bis 11. (nach jedem Stamm folgt derselbe Wortlaut) Und die
Bani Auf, und die Banu Haritha ..., und die Banu Sa‘ida..., und die Banu Dschuscham ..., und die Banu Nadschar ..., und die Banu ‘Amr b. Auf ..., und die Banu Nabit..., und die Banu Aus sollen für ihren Bereich verantwortlich sein und in gegenseitiger Zusammenarbeit ihre Entschädigungszahlung [diyya]zahlen, wie bisher üblich, und jede Gruppe soll ihre Gefangenen auslösen, in Güte und Gerechtigkeit unter den Gläubigen.

12. a) Die Gläubigen sollen keinen Schuldner unter sich im Stich lassen, sondern ihm helfen, sein Lösegeld oder seine Entschädigungszahlung [diyya] nach Billigkeit zu zahlen.
     b) Kein Gläubiger soll gegen den Schutzbefohlenen eines Gläubigen ohne dessen Einverständnis eine Feindschaft eröffnen.

13. Die gottesfürchtigen Muslime erheben ihre Hand gegen jeden unter ihnen, der Unrecht tut oder versucht, Ungerechtigkeit, Sünde, Feindschaft oder Verbrechen unter den Gläubigen zu verbreiten. Ihrer aller Hände sollen gegen ihn erhoben sein, selbst wenn es der Sohn eines der Ihrigen sein sollte.

14. Kein Gläubiger tötet einen Gläubigen eines Ungläubigen wegen.,

15. Allahs Schutz ist einheitlich; der Geringste unter ihnen überträgt die Verpflichtung dazu auf alle anderen. Und die Gläubigen sind untereinander Bündnispartner und Beschützer gegenüber Feinden.

16. Wer von den Juden uns folgt, der soll Hilfe und Unterstützung erhalten; weder soll er unterdrückt werden noch soll man jemandem gegen ihn beistehen.

17. Der Friede der Gläubigen ist einheitlich. Ein Gläubiger schließt keinen Frieden ohne Rücksicht auf andere Gläubige beim Kampf in Allahs Weg, es sei denn, er wäre für alle gleich und verbindlich.

18. Jede Abteilung, die mit uns kämpft, soll abwechselnd abgelöst werden.

19. Die Gläubigen vergelten füreinander das Blut, das in Allahs Weg vergossen wurde.

20. a) Die gottesfürchtigen Gläubigen sollen die beste und geradeste Führung befolgen.      b) Kein Götzendiener soll einem oder unterstützt einen Ungläubigen gegen einen Gläubigen. (Gemeint sind außerhalb des Vertrags stehende Ungläubige.)

21. Wenn jemand absichtlich einen Gläubigen tötet und dies offenkundig ist, unterliegt er der Vergeltung, es sei denn, der Bevollmächtige des Getöteten ist mit der Zahlung einer Entschädigungszahlung [diyya] einverstanden. Die Gläubigen sind hiefür verantwortlich, und es ist ihnen nichts andres erlaubt, als dieses durchzuführen.

22. Einem Gläubigen, der sich mit diesem Vertrag einverstanden erklärt hat und an Allah und den jüngsten Tag glaubt, ist es nicht erlaubt, einem Mörder zu helfen oder ihn zu schützen. Wer einem solchen hilft oder Schutz gewährt, auf dem liegt Allahs Fluch und Sein Zorn am Tag der Auferstehung, und weder Ausgleich noch Wiedergutmachung werden von ihm angenommen.

23. Und wenn ihr über irgendetwas uneinig seid, dann wendet euch damit zu Allah und zu Muhammad.

24.Die Juden tragen ihre Unkosten zusammen mit den Muslimen, solange sie mit ihnen gemeinsam kämpfen.

25. Die Juden von den Bani Auf bilden eine Gemeinschaft mit den Gläubigen. Die Juden haben ihre Religion und die Muslime die ihrige. Dies gilt für ihre Schutzbürger wie für sie selbst, es sei denn, jemand begeht Unrecht oder Übertretung; denn ein solcher schadet nur sich selbst und seinen Angehörigen.

26. bis 31. (nach jedem Stamm folgt derselbe Wortlaut, Anm.) Und die Juden der Banu Nadhir ... , und die Juden der Banu Haritha..., und die Juden der Bani Sa‘ida..., und die Juden der Bani Dschuschan..., und die Juden der Banu Aus ..., und die Juden der Banu Tha‘laba sollen die gleichen Rechte und Pflichten haben wie die Juden der Bani Auf. Wer jedoch Unrecht oder Übertretung begeht, der schadet nur sich selbst und seinen Angehörigen.

32. Die Dschafnah sind ein Zweig des Stammes Tha‘laba und wie diese selbst.

33. Und die Banu Schutaiba sollen die gleichen Rechte und Pflichten haben wie die Juden der Bani Auf, und es soll Gerechtigkeit geben und keine Übertretung.

34. Die Schutzbürger der Tha‘laba sollen die gleichen Rechte und Pflichten haben wie diese selbst.

35. Die Untergruppierungen der Juden sollen die gleichen Rechte und Pflichten haben wie diese selbst.

36. a) Außer mit der Erlaubnis Muhammads soll niemand von ihnen in den Kampf ziehen.
     b) Niemand soll gehindert werden, Verletzungen zu vergelten. Wer tötet, ist mitsamt seinen Angehörigen dafür verantwortlich, es sei denn, der Getötete hätte angegriffen. Allah ist mit denen, die daran festhalten.

37. a) Die Juden sollen ihre Unkosten bestreiten und die Muslime die ihrigen, und sie sollen einander unterstützen gegen jeden, der gegen die Partner dieses Vertrages Krieg führt. Zwischen ihnen soll es Beratung und freundschaftliche Ermahnung und tugendhafte — keine sündhafte — Zusammenarbeit geben.
     b) Niemand soll die Sache seines Verbündeten sabotieren, und den Unterdrückten soll geholfen werden.


38. Die Juden tragen ihre Unkosten zusammen mit den Gläubigen, solange sie gemeinsam kämpfen.

39. Das Tal von Yathrib (Medina) ist für die Mitunterzeichner dieses Vertrages unverletzlich.

40. Der Schutzbürger hat die gleiche Stellung wie das eigentliche Stammesmitglied; es soll weder Schaden zugefügt noch Verbrechen begangen werden.

41. Ohne das Einverständnis der Zuständigen soll keine Unverletzlichkeit gewährt werden.

42. Was zwischen den Partnern dieses Abkommens an Mordfällen und Streitigkeiten geschieht, so dass davon Unheil befürchtet werden muss, das soll Allah und Muhammad, Allahs Gesandtem, Allahs Segen und Friede sei mit ihm, zur Entscheidung vorgelegt werden. Allah ist mit jedem, der dieses Abkommen mit Vorsicht und Sorgfalt befolgt.

43. Kein Schutz wird den (feindlich gesonnen) Quraisch oder ihren Helfern gewährt.

44. Und die Bündnispartner sollen einander gegen alle beistehen, die Yathrib (Medina)überfallen.

45. a) Wenn sie (die Juden) aufgerufen werden, Frieden zu halten und daran teilzuhaben, dann halten sie ihn und haben daran teil. Wenn sie die Gläubigen gleichermaßen auffordern, so ist das Gleiche für die Gläubigen verbindlich. Ausgenommen ist, wer sich der Religion willen im Krieg befindet.
     b) Auf jedem liegt die Verantwortung für die Sache, die ihn betrifft.


46. Die Juden von al-Aus, sowohl Schutzbürger als auch sie selbst, sollen die gleichen Rechte und Pflichten haben wie die Parteien dieses Abkommens. Es soll tugendhafte, keine sündhafte Zusammenarbeit bestehen. Wer Schuld auf sich lädt, trägt sie selbst. Und Allah wacht darüber, dass dieses Abkommen gewissenhaft befolgt wird.

47. Dieses Abkommen soll keinen Unterdrücker oder Übertreter schützen. Wer auszieht, soll Sicherheit genießen, mit Ausnahme dessen, der Unrecht und Übertretung begeht. Allah schützt alle, die dieses Abkommen sorgfältig beachten, und Muhammad ist Allahs Gesandter — Allahs Segen und Friede sei mit ihm.

Mittwoch, 27. August 2014

Die Handschar-Division


Handschar, auch Chandschar oder Khanjar, ist der Name eines im arabischen und osmanischen Raum verbreitet gewesenen Krummdolchs. Die Klingen mit sind in der Regel handgeschmiedet und zweischneidig.
In Oman gilt der Handschar als Teil der traditionellen männlichen Tracht 
und ist Teil des Wappens auf der Landesflagge. Die Schneiden fallen durch einen fast im 90°-Winkel auf.

In Deutschland war der Begriff bekannt im Zusammenhang mit der Handschar-Division

Die Handschar-Division war die 13. Waffen-Gebirgs-Division der Waffen-SS mit dem Namen Handschar, die eineinhalb Jahre während des Zweiten Weltkriegs bestand.
Die Division bestand aus muslimischen Bosniern. Ihre Gründung wird auf Reichsführer-SS Heinrich Himmler und dessen 
Schwärmerei für den Islam zurückgeführt (Reichsführer-SS Heinrich Himmler schwärmte für die weltanschauliche Verbundenheit zwischen Nationalsozialismus und dem Islam. 
Die Ideologie der Muslimbruderschaft, die aus dem Koran abgeleitet wurde, schien sich in einigen Punkten mit der der Nationalsozialisten zu decken – insbesondere bei der Judenfrage). Die Handschar-Divion wurde am 1. März 1943 gegründet. 

Al-Husaini, der "Groß-Mufti" von Jerusalem, floh 1941 infolge des gescheiterten deutschfreundlichen Putsches im Irak nach Deutschland, wo er als persönlicher Gast Hitlers residierte. In Europa knüpfte er enge Kontakte zu bosnischen und albanischen Moslemführern. Ende April 1943 waren ca. 12.000 „Muselgermanen“ angeworben. 

Der Begriff „Muselgermanen“ wurde für die von al-Husseini für die Waffen-SS rekrutierten Soldaten in Bosnien-Herzegowina verwendet.
Der Großmufti sah ebenso wie Hitler eine ideologische Übereinstimmung und 
lobte während seines Aufenthalts in Berlin Hitler als einen „von der gesamten arabischen Welt bewunderten Führer“ und erhoffte sich, dass man Luftangriffe auf Tel Aviv führen würde. 
Ab 1943 war al-Husseini in seiner Funktion als SS-Mitglied mit der Organisation und Ausbildung von bosniakischen Wehrmachtseinheiten und Waffen-SS-Divisionen befasst.

Die bosnischen SS-Einheiten operierten auf dem nominell von der Ustascha kontrollierten Gebiet des „Unabhängigen Staates Kroatien“ und kämpften zusammen mit den kroatischen Streitkräften unter einem gemeinsamen Oberkommando, das ab 1943 offiziell dem Deutschen Reich unterstand.
Sie waren jedoch kein Teil der Ustascha oder der Armee des „Unabhängigen Staates Kroatien“, sondern wurden von deutscher Seite selbstständig aufgestellt. Die Handschar-Divion umfasste ca. 21.000 Mann, darunter auch Personal der nur in Teilen aufgestellten 23. Waffen-Gebirgs-Division der SS „Kama“ (kroatische Nr. 2).

Im April 1944 wurde ein Imam-Institut für die Ausbildung geistlicher Führer der Truppe gegründet. Die Offiziere der Division waren fast alle 
„Volksdeutsche“. Der Imam der Handschar-Division war Salih Sabanovic, ein Absolvent der Imam-Akademie Zagreb.

Ab Februar 1944 führte die Division Operationen gegen kommunistische Partisanen auf dem Balkan durch. Nach den militärischen Erfolgen der Partisanen unter Tito im September 1944 forderte dieser alle kroatischen und bosnischen Soldaten auf, sich den Partisanen anzuschließen. 
Rund 2.700 Mann der Handschar-Division liefen über. Im Oktober 1944 meldeten die deutschen Behörden in Zagreb nach Berlin, dass die Verbände nicht mehr einsetzbar seien. Im Dezember ließ Himmler die Division auflösen.



Soldaten der 13. Waffen-Gebirgs-Division der SS „Handschar“ (kroatische Nr. 1) bei der Ausbildung in Südfrankreich; Lesen einer Broschüre „Islam und Judentum“, Aufnahme der Propagandakompanie der SS, ca. Sommer 1943



Amin al Husseini, der Mufti von Jerusalem, bei den muslimischen SS-Freiwilligen.



Waffen-SS, 13. Gebirgs-Div. "Handschar"


Literatur
- Klaus Gensicke: Der Mufti von Jerusalem. Amin el-Husseini und die Nationalsozialisten.
- Zvonimir Bernwald: Muslime in der Waffen-SS: Erinnerungen an die bosnische Division Handzar 
- Volker Koop: Hitlers Muslime. Die Geschichte einer unheiligen Allianz
- Klaus-Michael Mallmann, Martin Cüppers: Halbmond und Hakenkreuz. Das Dritte Reich, die Araber und Palästina.

Die Aliden

Als "Aliden" werden in der orientalistischen Literatur die Nachkommen väterlicherseits von Imam Ali (a.) bezeichnet.

Im engeren Sinne werden sogar nur die Nachkommen Imam Ali (a.) mit  Fatima (a.) genannt.  Im weiteren Sinne werden auch Nachkommen Imam Alis (a.)mitgewertet, die er nach Fatimas (a.) Ableben mit weiteren Frauen bekommen hat. Manchmal werden auch die Nachkommen von Imam Alis (a.) Brüdern dazu gezählt.

Zu den alidischen Dynastien in der islamischen Geschichte zählen sich u.a. die Idrisiden in Marokko, die Fatimiden, verschiedene Linien der Zaiditen im Norden des Jemen, die Safawiden im Iran, die Alawiden in Marokko und die Haschimiten in Mekka und in Jordanien.

Allerdings ist die wahre Herkunft nicht immer zweifelsfrei bestimmbar, so dass sie in manchen Fällen für machtpolitische Zwecke konstruiert worden sein kann. Denn die Besonderheit an dieser Abstammung besteht darin dass es die einzige mögliche Abstammung vom Propheten Muhammad (s.) ist, mit der die eigene Herrschaft legitimiert werden soll. Das ist insbesondere deshalb so auffällig, da viele derjenigen, die ihre Herrschaft heute damit zu schmücken suchen, gleichzeitig die Rechtmäßigkeit der Herrschaft der damaligen Nachkommen des Propheten Muhammad (s.) ablehnen.



Eine der wichtigsten arabischen Quellen zu den alidischen Aufständen der Umayyaden- und Abbasidenzeit ist das Buch Maqātil aṭ-Ṭālibiyyīn von Abu l-Faradsch al-Isfahani, das eigentlich von allen Talibiden handelt, sich aber besonders intensiv mit den Aliden beschäftigt.